Parkverhalten Parkhaus Centrum Zwickau

Projektlaufzeit:

02/2011 - 11/2012

Projektleitung (Fakultät):

Herr Prof. Dr. Andreas Schuster (Kraftfahrzeugtechnik)

Auftraggeber:

Bernd Arzt Immobilien Zwickau

Kontakt:

Herr Prof. Dr. Andreas Schuster

+49 (375) 536 3386
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Stichworte bzw. Deskriptoren:

Parkverhalten, Parkraumplanung, Parkraumqualitätsbeurteilung

Situation

Für viele Straßenverkehrsanlagen existieren Verfahren, mit deren Hilfe im Planungsstadium die Qualität des Verkehrsablaufs ermittelt werden kann. (vgl. FGSV, 2001). Für Anlagen des ruhenden Verkehrs existiert lediglich ein Verfahren zur Qualitätsbeurteilung von Abfertigungsanlagen an der Zu- und Ausfahrt von Parkplätzen und Parkbauten. Die Qualität des Verkehrsablaufs im Inneren der Anlage ist derzeit im Planungsstadium nicht beurteilter. Um ein solches Verfahren entwickeln und um bereits in der Entwurfsphase die Park-Qualität optimieren zu können, muss man die qualitätsbestimmenden Ansprüche der Parkraumnutzer kennen. Neben Befragungen ist die Analyse von Verhaltensweisen beim Parken ein Weg, um diese Ansprüche zu erfahren.

Aufgabe

Im Rahmen einer Pilotstudie wurde eine solche Analyse durchgeführt. Im Zentrum der Untersuchung standen dabei folgende Fragen:

  • Gibt es Gesetzmäßigkeiten bei der Füllung des Parkhauses im Tagesverlauf?
  • Gibt es besonders begehrte Parkstände und wo liegen sie?
  • Gibt es bei unterschiedlichen Parkraumnutzern unterschiedliche Vorlieben?

Ergebnis

Nachtbelegungen:
Vor Erhebungsbeginn befinden sich im Parkhaus bereits geparkten Fahrzeuge, wahrscheinlich von Mietparkern. Sie stehen vermutlich über Nacht im Parkhaus. Die meisten Fahrzeugführer dieser Fahrzeuge beginnen ihren Parkvorgang wahrscheinlich nach Rückkehr von der Arbeit am Abend, zu einem Zeitpunkt also, zu dem viele freie Parkstände zur Verfügung stehen. Diese Mietparker bevorzugen Parkstände in schnell erreichbaren Parkebenen. Sie bevorzugen innerhalb der Parkebenen tendenziell Bereiche im Umfeld der Ausgänge.

Erste Tagesbelegungen:
Trotz starker Vorbelegung in den Ebenen 1 und 2 werden zunächst Parkstände in der Ebene 1 und sodann in der Ebene 2 als erste belegt. Trotz starker Vorbelegung in den Parkebenen-Bereichen nahe der Ausgänge in den Ebenen 1 und 2 finden erste Parkvorgängedort statt und nicht in dem kaum vorbelegten Bereichen, in dem ein einfacheres Einparken möglich wäre. Auch in der kaum vorbelegten Ebene 5 werden Parkstände in der Nähe der Ausgänge zuerst belegt. Zeitparker bevorzugen offensichtlich Parkstände in schnell erreichbaren Parkebenen. Sie bevorzugen innerhalb der Parkebenen Bereiche im Umfeld der Ausgänge.

Belegungsquote:
Der Anteil, zu dem ein Parkstand oder eine Parkebene während der Erhebungszeit belegt ist, sagt etwas über die Beliebtheit bei den Kraftfahrern aus. Die Belegungsquote nimmt von Geschoss zu Geschoss ab. Auf den unteren beiden Geschossen ist sie allerdings annähernd gleich groß. In allen Geschossen werden Bereiche bevorzugt, die keine Umwegfahrten innerhalb des Parkhauses erfordern und sich dennoch in der Nähe von Ausgängen befinden. Parkraumnutzer bevorzugen offensichtlich Parkstände in den schnell erreichbaren Parkebenen. Dabei wird nicht nur die erste sondern gleichermaßen auch die zweite Parkebene bevorzugt. Parkraumnutzer bevorzugen innerhalb der Parkebenen Bereiche, die nahe am inneren Erschließungssystem und gleichzeitig im Umfeld der Ausgänge liegen.

Mittlere Parkdauer:
Im Erdgeschoss sind die Parkvorgänge eher länger als in den übrigen Ebenen. Ausgeprägt kurze Parkvorgänge finden aber auch im Erdgeschoss und in der obersten Ebene 5 statt. Eine Gesetzmäßigkeit hinsichtlich der Nutzung der Parkbereiche innerhalb der Geschosse ist nicht erkennbar.

Umschlag:
Von der unteren bis zum oberen Parkebene nimmt der Umschlagsgrad tendenziell ab (Ausnahmen: Ebenen 2 und 3). Eine Gesetzmäßigkeit hinsichtlich der Nutzung der Parkbereiche innerhalb der Parkebenen ist nicht erkennbar. Hohe Umschlagsgrade treten verstärkt auf Parkständen, die sich in der Nähe des inneren Erschließungssystems befinden, auf. Kurzparker bevorzugen offensichtlich Parkstände in schnell erreichbaren Parkebenen. Sie bevorzugen innerhalb der Parkebenen Bereiche, die nahe am inneren Erschließungssystem liegen.

Schlussfolgerungen:
Sowohl von Mietparkern als auch von Kurzparkern werden Parkstände favorisiert, die

  • schnell erreichbar sind (erste erreichbare Parkebenen bzw. Lage in der Nähe des Erschließungssystems) und
  • in der Nähe der Ausgänge liegen.

Beim Entwurf von Parkbauten sollte daher darauf geachtet werden, dass

  • sich in den Geschossen keine abseits des Erschließungssystems gelegenen und schlecht erreichbaren Parkbereiche befinden,
  • in den Geschossen von allen Parkbereiche Ausgänge sowohl schnell zu erreichen sind als auch zu den gewünschten Wegzielen führen,
  • das Erschließungssystem eine schnelle Erreichbarkeit möglichst vieler Geschosse und Parkstände ermöglicht.